Rede

Auszug der Einführung von Klaus-Jörg Schönmetzler,
Kulturreferent des Landkreises Rosenheim
zur Ausstellungseröffnung (Gruppenausstellung Winter 2009)
des Kunstvereins zu Hohenaschau

Josephine Kaisers Mini-Skulpturen sind fraglos eine provokative ExtraPointe der Schau. Wobei ich den Begriff Pin-ups der sich fast zwanghaft aufdrängt, ein bisschen scheue. Denn natürlich sind Mädels in typischen Pin-up-Posen der 50er- und 60er- Jahre. Aber das Wesen echter pin-ups war und ist es, dass sie letztlich irreal bleiben: erotische Phantasien aus bedrucktem Papier. Doch die hier sind aus einem der provokantesten Materialien, die man sich denken kann, nämlich aus Fimo. Sie wissen schon: Fimo , das ist so etwas Ähnliches wie Plastilin. Nur mit dem Unterschied, dass man es am Ende brennen und damit härten kann. Und ich vermute stark: Seit es Fimo gibt, hat noch kein pubertierender Schulbub der Versuchung widerstanden sich Traummädel daraus zu kneten; allein deshalb, weil das Kneten und formen von Fimo als solches schon einsinnlicher, taktiere Vorgang ist. Doch hier nun schlagen die Fimo-Mädels zurück. Mit einer aggressiven Körperlichkeit, die vermutlich nur eine Frau so hinkriegt (Männer würden weit stärker idealisieren). Mit einer zynischen bewussten künstlerischen Pointe: nämlich, dass die Figürchen zwar in jedem Sinn vollplastisch wirken, in Wirklichkeit aber Reliefs sind, also mit räumlicher Verkürzung. Sie sind tatsächlich und im Wortsinn Pin-ups. Man muss sie an der Wand auf pinnen, sonst funktionieren sie nicht.

Außerdem gibt es hier Konnotationen, die man erst mal verdauen muss. Die Gorilla-Maske, die eines der Figürchen trägt, ist zum Beispiel gleich ein Mehrfach-Zitat: Die nackte “O” mit Käuzchenmaske am Schluss des Erotik-Klassikers “Die Geschichte der O”. Marlene Dietrichs berühmter Tanz mit der Gorilla-Maske in “Blonde Venus”. Natürlich King Kong. Aber vor allem Rankomme Stanley, in dessen Bildsprache Affenköpfe eine Schlüsselrolle spielen.